Kilian Krapp - einer, der Grenzen sprent

Elegante Leichtigkeit, kraftvolle Artistik und ganz viel Poesie. Das Feuerwerk der Turnkunst wird mit der hope-Tournee 2027 gewissermaßen alles tun, nur kein Klischee erfüllen.

So vielseitig wie Kilian Krapp ist wohl kaum ein Turner in Deutschland. Und genau deshalb passt der 23-Jährige perfekt zum Feuerwerk der Turnkunst. Für die hope-Tournee 2027 vom 28. Dezember 2026 bis zum 30. Januar 2027 bereitet er sich aktuell an zwei Turngeräten vor, die für gewöhnlich dem Frauenturnen zugeordnet werden. Doch Kilian zeigt, dass Stufenbarren und Schwebebalken auch von einem männlichen Turner in Sachen Eleganz und Ausdrucksstärke bestens in Szene gesetzt werden können und Europas erfolgreichste Turnshow um ein Highlight reicher machen.

Eine ungewöhnliche Anfrage

Über Kontakte und den einen oder anderen Zufall geriet Kilian an das Feuerwerk der Turnkunst. „Beim Deutschen Turnfest in Leipzig 2025 habe ich im Showteam Glenn Trebing ersetzt, der für die Europameisterschaften nominiert war, die dort parallel stattfanden“, erzählt Kilian. Und irgendwie ist der 23-Jährige den Verantwortlichen des „Feuerwerk“ im Gedächtnis geblieben. Die – zugegeben etwas ungewöhnliche – Anfrage für hope ließ nicht lange auf sich warten. Ob er sich vorstellen könnte, als „zweite Frau“ am Stufenbarren und zudem am Schwebebalken zu turnen? Darauf gab es für Kilian eigentlich nur eine Antwort: Ja! „Zwar musste ich die Geräte neu lernen, aber im Grunde sind die Anforderungen an das Bewegungsgefühl und wie der Körper im Raum steht, nicht neu.“ Die Herausforderung besteht für den großgewachsenen Turner eher darin, mit dem engen Stufenbarren zurechtzukommen. Und: „Am Reck turnen wir an einer Metallstange, am Stufenbarren mit einer Holzstange, die federt komplett anders. Und natürlich hat man eine zweite Stange. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht hängenbleibe“, erklärt Kilian.

 Einer von den „Krassen“

In der Show übernimmt Kilian bewusst eine – vor allem für das Publikum – ungewohnte Rolle. Und gibt damit dem Showtitel „hope“ eine besondere Bedeutung. „Für mich ist damit ein bisschen die Hoffnung verbunden, das traditionelle Rollenverständnis der Menschen aufzubrechen. Wenn es eine große Bühne bekommt, stärkt es vielleicht auch die Akzeptanz dafür, dass Männer an Frauengeräten turnen können und umgekehrt. Für mich war das schon immer normal, warum sollte es das für andere nicht auch sein?“ Nicht nur deshalb ist Kilian sehr dankbar dafür, Teil des Ensembles sein zu dürfen. „Es ist einfach eine Erfahrung, die viele andere nie machen dürfen. Etwas Größeres gibt es in Deutschland im Showbereich nicht.“
Um sich bestmöglich auf hope vorbereiten zu können, hat Kilian kurzerhand seinen Lebensmittelpunkt nach Hannover verlegt. Seit Mitte September wohnt der Chemiestudent dort, schreibt parallel an seiner Masterarbeit. Die Teilnahme am Feuerwerk der Turnkunst könnte für ihn ein wichtiger Schritt ins Showbusiness sein und bildet eine Art „Full-Circle-Moment“. Es schließt sich für ihn ein Kreis, nachdem er bereits als Kind ein großer Fan der Turnshow war und sich immer gedacht hat: „Die sind alle so krass!“ Jetzt wird er selbst zum Vorbild für Kinder – einer von den „Krassen“. Eingebettet in eine Show ohne Grenzen, in der – soviel sei bereits jetzt verraten – auch der Begriff „Schwebebalken“ eine ganz neue Bedeutung bekommt.

Text: Heike Werner

Fotos im Header ist KI-modifiziert.

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